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[Neue Reviews und Interviews...]
Cyber-Vorwort

You know where you are? You're in the jungle, baby ...

... und der Rest ist bekannt. Unsereiner als geborener Großstadt-Indianer fühlt sich ja zunehmend von Hottentotten umgeben, soweit er die Realität nicht in humoristischer Selbsttäuschung als göttliche Komödie abtut. Mußte man vor kurzem noch auf die Hamburger Reeperbahn oder zumindest an die tschechische Grenze (ja, auch die Zeiten sind vorbei!) fahren, um alle Zweimeterfuffzich von Nutten vollgequatscht zu werden, so wird dies heute immer und überall und alle dreissig Sekunden auch in den heimischen vier Wänden erledigt. Da quatschen einem irgendwelche pestilenten Medien-Nutten mit Perlweiss-Grinsen und Silikontitten permanent einen Tripper mit Schokoglasur an die Backe, der auch wirklich nur nach intensiver göbbelscher Tiefenhypnose erworben wird. Vom fotografierenden Handy mit Arschkrauleinheit über Joghurt mit Brokkoli/Bahnhofsklo-Aroma bis zu Vergrösserung und Verlängerung diversester Extremitäten langt die Angebotspalette ... und auf alles kommt ein saftiger KlitschkohlenXYZ-Aufschlag, den wir alle gerne zahlen ... denn nix anderes als die Marke kommt uns in die Tüte und wir knien jeden Morgen nieder und danken Gott für die Freiheit zu wählen. Manchmal muß man halt zu seinem Glück gezwungen werden und wenn nicht mal der Dieter es schafft, uns mehr Genmilch saufen zu lassen, kann man ja noch zu Spam-Mail greifen. Neben Viagra, Prozak, Schwanzverlängerungen und Ratenkrediten fällt auch ein weiteres nutzloses Produkt nicht auf und viel Seriosität gibt es auch nicht mehr zu verspielen.

Sicher ist der Spam-Müll einer der grossen Flüche des multimedialen modernen Menschen (neben dem Vollstreckungsbescheid wegen nicht mehr zu bezahlenden Handy-Rechnungen), aber das entlockt mir nur ein müdes Lächeln... viel schlimmer und Brechreiz-erregender wirkt zumindest auf meinen übersäuerten Magen momentan alles, was im Umfeld der Musikindustrie so vor sich hin mutiert, gärt und stinkt. Den ultimativen Schwachsinn hat man sich nun mit polymultiphon-homophoben Klingeltönen aus dem dichtgegkosten Brägen geleiert und freut sich, daß die Umsätze stetig steigen. Ja toll, Applaus ... alles andere wäre bei dem hyperinflationären Werbe-Bombardement auch ehrlich gesagt arg traurig, das einem auf MVivaTV und allen anderen Informationskanälen zwischen den "redaktionellen Inhalten" in Endlosschleife den letzten Rest Hirnschmalz aus dem Schädel kloppt. Was wir bisher nur aus dem Nachtprogramm mit geilen Omas, gayen Boys oder tschechischen Mädchen kannten ist nun ganztätig zu erleiden.
Viel geiler ist aber, was zwischen dieser Dünnschiss-Vermarktung passiert... das moderne Musikfernsehen hat das "Bunte"- und "Gala"-Niveau für sich entdeckt. Was bisher nur Hausmuttis kurz vor dem Sprung in die Kiste beim Friseur zugemutet werden konnte ist jetzt hip. Alle wollen nun ganz genau wissen, wieviel die Brad Pitts, P.Diddys und JayLos eigentlich so während eines durchschnittlichen Klogangs verdienen. Die Reichen und die Schönen verdienen Phantastillionen, wohnen in Traumschlössern, saufen 10.000$-Schampus aus goldenen Wasserhähnen und schenken ihren Hunden und Kindern Brilliantencolliers und Mini-Porsches. Angesichts der Tatsache, daß sie dies nur von den Peanuts tun, die nach Managern, Plattenproduzenten und Werbeaufwand (Steuern lassen wir mal aussen vor!) übrig bleiben ist das schon beachtlich. All das wäre nur halb so lustig, wenn nicht gleichzeitig todernst im grossen Stil über Internet-Piraterie gejammert würde, die die Umsätze schmälert und das geistige Eigentum untergräbt. Geistiges Eigentum, das eh schon zum fünfunddreissigsten Mal in Form von Coversongs oder zu siebzig Prozent gesampeltem Schrott im Endlosloop aus dem Magix Musicmaker recycelt wird.
Nicht daß ich was gegen gepflegte Geschmacklosigkeiten hätte, aber die Kampagne gegen Raubkopierer die momentan läuft ist schon der Burner. Diese üblen Subjekte werden nämlich neuerdings mit bis zu fünf Jahren Freiheitsentzug für ihre Verbrechen gegen die Menschlichkeit bestraft ... und da haben sie es dann auch verdient wie jeder durchschnittliche Kindermörder und Serien-Triebtäter im Knast ordentlich in den Popo gepimpert zu werden. "Copying kills music" my ass ... bei soviel Gülle muss ich vor Brechdurchfall erstmal den Leopardentanga wechseln. Da war noch die Sache mit der GEZ, aber mir läuft gerade wieder die Gummiwindel über.

Wo einem bisher nur die Industrie auf den Sack ging, schaffen es inzwischen auch die Herren und Damen Künstler selbst, sich mit Interessengemeinschaften für eine Deutschland-Quote zu nebenberuflichen Comedy-Stars zu entwickeln. Und das ausgerechnet in einer Zeit, in der deutschsprachige Musik doch wieder verhältnismässig viel Aufmerksamkeit bekommt (Siehe "Perfekte Welle" als Tsnuami-Soundtrack 2004). Aber was tut man nicht, um im Gespräch zu bleiben. Dafür geht man auch vor aller Welt mit Daniel Kübelböck ins Dschungel-Camp, badet in Kuhscheisse oder gräbt Helga Feddersen für eine nekrophile Vorabend-Einlage aus. Immerhin zerfetzen die Medien inzwischen nicht nur den Durchschnittsproll genüsslich vor den Kameras sondern fangen an, ihre eigenen Plastikprodukte und zunehmend sich selbst nach Abnutzung zum Abschuss freizugeben. Wenn man schon für einen Arbeitsplatz um die Wette raten und in der Scheisse kriechen darf, bleibt abzuwarten wann jemand die Löwen in die Arena lässt oder dem Kannibalen von Rothenburg eine Vorabendsendung mit einer bunten Mischung aus Sex, Gewalt und lustigen Körpersaft-Cocktails überlässt. Wie oft muss man eigentlich im Schneckentempo an den matschigen Überresten eines Autounfalls vorbeifahren, bis es langweilig wird?

Genug gepöbelt für heute... es gibt ja auch viel zu, jauchzen, freuen und Gott lobpreisen. Z.B. den supermetallischen Roberto Blanco Konkurrenten in unserer Review-Ecke, den wir unserem Haemorrhoiden-geplagten Verlosungs-Gewinner Marc T. aus H. zu verdanken haben. Oder die lyrischen Ergüsse unseres frisch eingekauften neuen Schreibsklaven Wolfram, der voller Inbrunst die Fahne des Schoko-Grind aufrecht hält. Und weil mir wieder mal der Kleiderbügel vor lauter Freude aus dem losen Mundwerk fällt, gibt's nach lächerlichen 1 ½ Jahren Wartezeit auch gleich eine neue Verlosung. Da wir noch super Cover-Platzhalter für die Review-Ecke auf Halde haben, geht's diesmal um einen kernigen Spruch, der unserer Welteroberungspläne Banner-tauglich zusammenfasst. Dieser sollte natürlich zynisch-knusprig in der Tradition eines "Exploiting the underground since 1998" stehen. Also schickt eure Vorschläge fleissig an laermbelaestigung@gmx.de. Der Gewinner bekommt die aktuelle Ausgabe des Homo-Bibel "Necromaniac" sowie die aktuelle JUNGLE ROT-Scheibe "Fueled by hate".

Wie immer möchte ich die Gelegenheit auch nutzen und anmerken, daß wir nach wie vor auf der Suche nach fähigen Leuten sind, die uns beim Füllen dieser fragwürdigen Seite mit News, Tourdaten, Reviews, Interviews und allem was dazugehört behilflich sind. Also meldet euch reichlich, schickt Bewerbungen, konstruktive Kritik, Hatemails, geile Sweety-Bildschirmschoner und Eintopfrezepte. Macht 2005 zu einem Jahr, das Tsunami-Mosi mit den Spendierhosen und der Gendatenbank vergessen lässt und einen stolzen, ungewaschenen Stinkefinger in die Luft hält. Damit wären wir für heute durch und ich entlasse die Lesenden mit einem freundlichen "Fuck off and die!" in den alltäglichen Wahnsinn.

Karim


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